Verein zur Foerderung von Open-Air-Theater in Deutschland

Diskussion zu Street Art Themen

Gibt es einen Trend zur Gigantomanie?.

Es scheint einen Trend zu großen Produktionen im Straßentheater zu geben, die mit ihren logistischen Anforderungen und Kosten die Festivals in Deutschland überfordern. V

iele Festivalleiter fordern eine Diskussion über Qualität: " Die Straßentheaterproduzenten, die große Produktionen machen, müssen sich rechtfertigen, ob es sich tatsächlich um ästhetische Sprache geht, oder um Marktvorteil durch Größe ohne Qualität!" (Hery Klas, Kulturamt Ahlen).
Zusätzlich warnt Herr Waldau vom Kulturamt Görlitz "Kunst muss ein Event sein, sonst wird sie nicht mehr wahrgenommen, sonst ist sie langweilig, sonst ´geh ich da nicht hin´“. Es sei gefährlich, als Künstler diese Erwartungshaltung zu bedienen.
Auf Seiten der Künstler sieht man eine Entwicklung zur "Fressbudenkultur" der Massen, "In Deutschland ist es schwierig unser Theater zu machen, ohne Frankreich, würde es uns nicht mehr geben. Da ist wirklich alles auf der Strasse möglich und da gibt es ein Publikum für uns." (Margarete Biereye, Ton und Kirschen).

Laut den französischen Kollegen, gibt es in Frankreich immer noch einen Markt für große und kleine Produktionen und Nachfrage nach Beidem. Ludger Schnieder (Theater im Pumpenhaus) hält dagegen, das es viel mehr eine Diskussion um Qualität von Produktionen und die Zielsetzung von künstlerischen Programmen, als um Größe geben muß. "Es ist wichtig, das eine trennscharfe ästhetische Auseinandersetzung in urbanen Räumen stattfindet, mit Künstlern, die bereit sind da zu arbeiten, mit Programmmachern die bereit sind solche Programme zu kreieren und mit Künstlern aus diesem Bereich zusammen zu entwickeln."

Zusammenschluß von Street Art Künstlern und Festivals?.

"Zentrale Frage für die Gruppen in Deutschland ist auch die nach dem Status von Straßentheater in der Gesellschaft und wie man in Deutschland mehr Anerkennung in der heutigen wirtschaftlichen und politischen Lage erreichen kann. Wie können wir uns gemeinsam als Kunstform Straßentheater behaupten? ... Den deutschen Künstlern fehlt der Humor. Aus Existenznot gibt es zwischen den Gruppen eine starke Konkurrenz, der Wille sich zusammenzutun fehlt. Mir fehlt ein Statement, wie wir uns gemeinsam als Street Art Künstler nach außen darstellen. Es wär gut einen intellektuellen und intelligenten Ansatz zur Definition und Präsentation dieser Kunstform zu finden." (U. M.Bertzmann und Corinne Prohaska, Grotest Maru)

Wir können nur durch gegenseitige Unterstützung weiterkommen und vor allem miteinander auf diesem Markt stärker werden. (Barthel Meyer, Lebende Statuen)

Street Art ist es wert akzeptiert und geschätzt zu werden. Wir müssen nach neuen Wegen suchen, wie man an Unterstützung kommt: subversive, offensive, mediale Wege. Wir sollten gemeinsam mit einer Stimme sprechen und diese nicht nur regional sondern bundesweit transportieren. (Uwe Köhler, Theater Titanick)

Gibt es professionelle Subversion?.

Ein anderer Strang in der Diskussion warf die Frage auf, ob Straßentheater überhaupt professionell subversiv sein kann?

"Die Künstler stecken tatsächlich in dem Dilemma anders arbeiten zu wollen, subversiv sein zu wollen. Trotzdem brauchen sie um professionell arbeiten zu wollen, Strukturen, die Bestand haben. " (Michael Freundt, stellvertretende Leiter ITI, Berlin)

Wie können wir uns gemeinsam als Kunstform Street Art behaupten? In Form von Institutionalisierung oder indem man den Respekt einer Institution bekommt ohne selber eine zu werden? Bedeutet Institutionalisierung den Tod für Straßentheater? (C. Prohaska, Grotest Maru)

"Strassentheater hat über den offenen Zugang zu einem egalitären Publikum,„Greis neben Kind und Anwalt neben Sozi", so Bartel Meyer, die Möglichkeit viele verschiedene Menschen über Alter, Schichten und Interessen hinweg anzusprechen, und vielleicht sogar Menschen, die keine Zugang zu Kunst haben, zu "befruchten". Diese von andern Diskussionsteilnehmern als romantisch empfundene These wird von Statistiken aus Frankreich und Deutschland untermauert: in Frankreich haben bisher nur 6% der Menschen ein Theaterstück in einem festen Haus gesehen. Dagegen haben 32% aller Menschen schon mindestens einmal in ihrem Leben eine Straßentheater Produktion gesehen. (Pascal Larderet)