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Was ist Straßentheater:
In den vergangenen 30 Jahren hat sich das „Straßentheater“ zu einer eigenständigen Kunstform entwickelt, die jedes Jahr viele tausend Menschen begeistert. Es ist in seinen vielen Ausprägungen ein unmittelbares, künstlerisch innovatives und professionelles Medium geworden, Menschen mitten in ihrem urbanen Lebensraum für Kunst zu begeistern. Es benutzt eine universelle Sprache getragen von Bildern und Emotionen. Aus dem zufälligen Zusammentreffen von Passanten mit Theater, in einer städtischen Umgebung, wie Strasse, Plätze, Fußgängerzone ergeben sich neue, unvorhersehbare Situationen, die Stadt füllt sich mit Atmosphäre und Emotionen. Immer ist Straßentheater eine Form, sich gezielt in städtisches Leben einzubringen oder Alltagsplätze in ganz besondere Bühnen und damit menschliche Zusammenhänge zu verwandeln. Die Zuschauer nehmen unmittelbaren Anteil an dem künstlerischen Geschehen und insbesondere die sogenannten „Walk-acts“ benötigen diese Unmittelbarkeit.
Why street?
Künstler verlassen den geschützten Raum des Theaters, weil ihnen der offene Raum mehr Freiheit und Atmosphäre bietet. Der Aufführungsort Straße erlaubt den Künstlern Mittel einzusetzen, die jede Dimension eines Theaters sprengen würden: Feuereffekte, überdimensionierten Objekte oder raumgreifende Inszenierungen, so können Produktionen in 40m Höhe, auf einem See oder an einer Häuserfassade entstehen.
Historischer Hintergrund und Gründung von Straßentheater Festivals in den 80er Jahren:Das europäische Straßentheater in seiner ästhetischen Vielfalt ist ein Resultat der künstlerischen Explosion in Folge der Studentenbewegung. In den 70er Jahren verlor das Straßentheater in Deutschland seine politische Ausrichtung und im Zuge der Freien Theaterbewegung erweiterten sich seine ästhetischen Stilmittel. In die 80er Jahre fällt die Gründung zahlreicher Straßentheaterfestivals in Europa sowie eine explosionsartige Vermehrung von Künstlern und Gruppen. 1981 gründete die renommierte spanische Straßentheatergruppe „Els Comediants“ das Festival in Tarrega (www.firatarrega.com), 1986 findet das Festival „Eclat“ (www.aurillac.net) im französischen Aurillac erstmalig statt. Frankreich verfügt über die größte Anzahl an Festivals und Gruppen im Bereich des Straßentheaters. Zwei staatliche Institutionen werden auch langfristig gefördert: „Lieux publics“ (centre.national@lieuxpublics.com) und „HorsLesMurs“ (www.horslesmurs.asso.fr), das Zentrum zur Dokumentation und wissenschaftlichen Begleitung in Paris. Festivals und Gruppen in Deutschland: Auffallend ist, dass sich die deutschen Straßentheaterfestival überwiegend in Kleinstädten etabliert haben: „Gassensensationen“ von Heppenheim, das Festival Holzminden (www.holzminden.de/strassentheater), das Festival „Tête à Tête“ in Rastatt und das „Welttheater der Straße“ in Schwerte, um nur einige zu nennen. Darüber hinaus führen zahlreiche Städte im Rahmen ihrer Sommerprogramme Veranstaltungen mit Straßentheater durch.
In Deutschland produziert gegenwärtig nur eine verhältnismäßig kleine Anzahl von Künstlern und Gruppen im professionellen Rahmen Theater für den öffentlichen Raum. Dazu zählen die Gruppen „Theater Titanick“, „Antagon“, „Angie Hiesl Produktion“, „Helmnot Theater“, „PanOptikum“ und „Ton und Kirschen Theater“, die technisch aufwändig produzieren und auch international Resonanz gefunden haben.
Fazit: Fest steht, dass sich aus einer spontanen künstlerischen Bewegung vor über 30 Jahren eine Profession mit einer eigenen Identität entwickelt hat. Street Art in Europa heute, ist ein selbstständiger Bestandteil der Darstellenden Kunst. Es verfügt über eigenständige künstlerische Mittel, eigene Wege der Produktion und Verbreitung. Die Stärken liegen in der Flexibilität, im direkten Kontakt mit dem Zuschauer, der Kreativität und Individualität.
Trotz der steigenden Zuschauerzahlen, fehlt in Deutschland die breite kulturpolitische Anerkennung für diese Kunstrichtung. So bleibt dem Straßentheater in Deutschland nur die "Hoffnung" auf andere Länder Europas, die das Theater auf der Straße mit all seinen Facetten fördern und als einen gleichberechtigten Bestandteil der Kulturarbeit anerkennen.
© Nicole & Jürgen Ruppert, kulturbüro, Am Stadtwald 70a, 53177 Bonn, Tel.: 0228-619 650; Fax: 0228-619 65 20; e-mail: kb@kulturbuero.info. Den vollständigen Text des Vortrags senden wir auf Anforderung gerne zu.